- Goll
- Gọll,1) Claire, geborene Clara Aischmann, deutsch-französische Schriftstellerin, * Nürnberg 29. 10. 1890, ✝ Paris 30. 5. 1977; lebte in München, Genf und Ascona, war mit vielen Künstlern und Literaten bekannt; 1919 ging sie mit Yvan Goll, den sie 1921 heiratete, nach Paris; 1939-47 in New York, danach wieder in Paris. In deutscher und französischer Sprache schrieb sie, zum Teil mit ihrem Mann, Gedichte, Erzählungen und Romane. Sie gab das Werk und den Nachlass von Yvan Goll heraus und übersetzte viele seiner Werke ins Deutsche. 1971 erschienen ihre Erinnerungen unter dem Titel »Traumtänzerin. Jahre der Jugend«, 1976 eine autobiographische »Chronique scandaleuse« unter dem Titel »La poursuite du vent« (deutsch »Ich verzeihe keinem«).Weitere Werke: Lyrik: Mitwelt (1918); Lyrische Films (1922); Les larmes pétrifiées (1951; deutsch Versteinerte Tränen); Das tätowierte Herz (1957).Romane und Erzählungen: Die Frauen erwachen (1918); Une allemande à Paris (1924; deutsch Eine Deutsche in Paris); Der Neger Jupiter raubt Europa (1926); Une perle (1929; deutsch Ein Mensch ertrinkt); Un crime en province (1932; deutsche Neubearbeitung 1977 unter dem Titel Jedes Opfer tötet seinen Mörder); Le ciel volé (1958; deutsch Der gestohlene Himmel); Zirkus des Lebens (1976).Ausgabe: Meiner Seele Töne, herausgegeben von B. Glauert (1978; Briefwechsel mit Y. Goll).C. G., bearb. v. G. Cattani u. a. (Paris 1967);2) Jaroslav, tschechischer Historiker und Dichter, * Chlumec nad Cidlinou 11. 7. 1846, ✝ Prag 8. 7. 1929; war 1880-1910 Professor in Prag, redigierte seit 1895 die Tschechische Historische Zeitschrift (»Česky časopis historický«); neben Darstellungen und Quelleneditionen zur Geschichte Böhmens begründete er mit der strengen Orientierung an den Quellen die »gollsche Schule« der tschechischen Geschichtswissenschaft und machte sich um die Beweisführung der Fälschung der Königinhofer Handschrift verdient. Er übersetzte C. Baudelaire.R. G. Plaschka: Von Palacký bis Pekař. Geschichtswiss. u. Nationalbewußtsein bei den Tschechen (Graz 1955).3) Yvan (Ivan), eigentlich Isaac Lạng, Pseudonyme Iwan Lassạng, Tristan Tọrsi, französisch-deutscher Schriftsteller, * Saint-Dié 29. 3. 1891, ✝ Paris 27. 2. 1950; lebte 1914-18 in der Schweiz (Verbindung mit den Dadaisten, mit J. Joyce, H. Arp u. a.), seit 1919 in Paris, verkehrte dort u. a. mit den Surrealisten; 1939-47 in New York; seit 1921 Ȋ mit Claire Goll. Er begann als expressionistisch-pazifistischer Dichter im Bewusstsein einer apokalyptischen Zeitwende, entwickelte dann unter dem Einfluss A. Bretons und P. Éluards einen surrealistischen Bilderreichtum, der ihm als Chiffren des Daseins diente. Goll schrieb in deutscher, später überwiegend in französischer, aber auch in englischer Sprache. Hauptwerke sind die »Poèmes d'amour« (mit Claire Goll, 1925) und der Gedichtzyklus »Jean sans terre« (entstanden 1934-44, kritisch herausgegeben von F. J. Carmody, 1962). Mit dem Drama »Methusalem oder Der ewige Bürger« (1922) gilt Goll als wichtiger Vorläufer des absurden Theaters.Weitere Werke: Lyrik: Lothringische Volkslieder (1912); Der Panamakanal (1914); Der Eiffelturm. Gesammelte Dichtungen (1924); Poèmes de jalousie (1926, mit Claire Goll); Poèmes de la vie et de la mort (1926, mit Claire Goll); Chansons malaises (1934; deutsch Malaiische Liebeslieder); Atom elegy (1946); Le mythe de la roche percée (1947); Les cercles magiques (1949); Élégie d'Ihpétonga (1949); Traumkraut (herausgegeben 1951); Abendgesang (herausgegeben 1954).Romane und Erzählungen: Le microbe de l'or (1927); Die Eurokokke (1928); Der Mitropäer (1928); Sodome et Berlin (1929); Agnus Dei (1929).Dramen: Die Unsterblichen. Zwei Possen (1920); Der Stall des Augias (1924); Melusine (herausgegeben 1956).Ausgaben: Dichtungen, herausgegeben von C. Goll (aus dem Französischen, 1960); Gedichte, herausgegeben von R. A. Strasser (aus dem Französischen, 1968); Œuvres, herausgegeben von C. Goll u. a., 2 Bände (1968-70).F. J. Carmody: The poetry of I. G., a biographical study (Paris 1956);Joachim Müller: Y. G. im dt. Expressionismus (Berlin-Ost 1962);M. A. Parmée: I. G. The development of his poetic themes and their imagery (Bonn 1981);
Universal-Lexikon. 2012.